Interview: Aufschieberits ist heilbar

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Gold, das Kundenmagazin von EDEKA/netto hat ich zum Thema Aufschieberitis befragt. Hier das ungekürzte Interview.

NACHGEFRAGT

“Die Aufschieberitis ist heilbar”

Gold: Wann haben Sie das letzte Mal (erfolgreich) “prokrastiniert”?
Philipp Barth: Zugegeben, die Interviewfragen hätte ich auch schon etwas früher beantworten können. Aber ich hoffe, es war noch rechtzeitig und die Leserinnen und Leser halten jetzt keine leere Seite in der Hand.

Gold: Sind Menschen, die Dinge gern auf den letzten Drücker erledigen, eigentlich auch schon “Prokrastinierer”?

Philipp Barth: Ja, das sind sie. Etwas erst dann zu erledigen, wenn es gar nicht mehr anders geht, ist ein typisches Symptom der Aufschieberitis. Es ist schon erstaunlich: Wir quälen uns tagelang mit einem schlechten Gewissen herum – dabei würde es oft nur Minuten dauern, endlich anzufangen.

Gold: Darf man eigentlich noch einfach mal faul sein, ohne ein schlechtes Gewissen haben zu müssen?

Philipp Barth: Wir sind alle nur Menschen und keine Roboter. Ich empfehle, das Ganze nicht zu eng zu sehen und sich nicht zu viel zuzumuten. Ruhe und Erholung sind genauso wichtig wie Arbeit und Pflichten. Aber es fühlt sich einfach wunderbar an, wenn man das Anfangen kultiviert hat und die Dinge schafft, die man sich vorgenommen hat. Solche Menschen sind effizienter, erfolgreicher und vor allem: zufriedener.

“Jeder ist betroffen”

Gold: Es gibt eine Unzahl an Ratgeber-Literatur zu dem Thema – ist der Bedarf so groß?
Philipp Barth: Ja, denn Dinge auf die lange Bank zu schieben ist menschlich. Jeder ist betroffen. Und jeder kann etwas dagegen tun. Die Aufschieberitis ist heilbar. Der Kampf gegen die Aufschieberitis ist ein Kampf gegen uns selbst. Wir müssen uns selbst überwinden. Nichts könnte schwerer sein.

Gold: Gibt es Menschen die auch (an und für sich) angenehme Dinge vor sich herschieben?
Philipp Barth: Sicher. Jede Bewegung kostet Energie. Deshalb neigt der Mensch dazu, sich grundsätzlich möglichst wenig zu bewegen. Das steckt noch in unseren Genen.

Gold: Gibt es auch positive Aspekte am Aufschieben?
Philipp Barth: Ich sehe keine. Wir werden unzufrieden mit uns selbst, weil wir uns einfach nicht überwinden können.

Gold: Hilft gegen das Aufschieben nur Selbstdiziplin?
Philipp Barth: Nein, zum Glück gibt es zahlreiche Techniken und Tricks gegen die Aufschieberitis. So kann man aus einer unangenehmen Pflicht zum Beispiel ein Spiel machen. Das nennt man Gamification. Oder man macht sich einen Plan, der eine Aufgabe etwa auf Dienstag, Mittwoch und Donnerstag aufteilt. Der Trick ist nun, schon am Montag anzufangen. Ganz ohne Druck. Es motiviert ungemein, wenn man schon am Montag mit dem Pensum vom Dienstag fertig ist. Viele Menschen fangen auch deshalb nicht an, weil sie zu hohe Erwartungen an das Ergebnis haben. In diesem Fall hilft es, bewusst schlecht anzufangen. Völlig ohne Ambitionen. Die Anfangsleistung ist dann zwar eher dürftig, aber man ist in die Gänge gekommen und hat begonnen. Das ist ungeheuer wertvoll, denn der erste Schritt ist immer am schwierigsten.

Gold: Einmal geheilt – ist man immer wieder “Rückfall” gefährdet?

Philipp Barth: Leider ja. Aber mit den richtigen Techniken und Tricks kann man die Aufschieberitis gut in den Griff bekommen.

 

EXPERTE

Philipp Barth arbeitet als freier Werbetexter und Buchautor

 

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